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Aktuelle Interviews mit Jack Klugman

EXKLUSIV - DAS UNGEKÜRZTE INTERVIEW!

Wir freuen uns Ihnen hier exklusiv in Deutschland ein Interview mit Jack Klugman präsentieren zu dürfen, welches bereits letzten Monat für grosse Schlagzeilen sorgte. Hier nun zum 1. Mal in ungekürzter Form. Einige Antworten sind absolut verblüffend, andere Aussagen wurden in dieser Form noch nie bestätigt und dürfen als richtige Sensation bezeichnet werden. Das Interview entstand anlässlich des Auftrittes von Jack Klugman in der TV-Show "25 Jahre RTL".  

Bild mit freundlicher Genehmigung von RTL Television GmbH


Interview mit Jack Klugman (86) alias „Quincy", geführt am 10. Januar 2009 im Hotel im Wasserturm, Köln

Ganz hinten in der Ecke, in der Bar eines Kölner Luxushotels, versinkt ein alter Herr im tiefen Sessel. Die beige-farbene Cord-Kappe, der gemusterte Strickpullover und ein aufwendig geschnitzter Gehstock lassen ihn wie einen schottischen Schäfer wirken. Das Gesicht ist schmal und von feinem weißen Haar eingerahmt. Der Mann ist 86 Jahre alt und heißt Jack Klugman. Die Welt kennt ihn als „Quincy". In der gleichnamigen amerikanischen Serie  rollte er von 1976 bis 1983 als Gerichtsmediziner knifflige Kriminalfälle wieder auf, die von der Polizei vorschnell als gelöst zu den Akten gelegt zu werden drohten. 1985 entpuppte sich „Quincy" für den damals jungen deutschen Privatsender RTL plus als Quotengarant. Egal, ob als Erstaustrahlung oder in der zehnten Wiederholung. Grund genug für RTL, Jack Klugman zur Geburtstagsshow des Senders aus dem sonnigen Kalifornien ins verschneite Deutschland einzufliegen; gemeinsam mit seiner zweiten Frau, Peggy Crosby (68), der Jackman im Februar 2008 nach 20 Jahren „wilder Ehe" da Ja-Wort gab.



Im Interview redet Jack Klugman über die Liebe, sein langes Krebsleiden und über die erfolgreiche Krimiserie „CSI" – die er gar nicht mag. 

 

Herr Klugman, Sie waren am Samstag in der RTL-Geburtstagsshow zu Gast. Wie hat Ihnen deutsches Fernsehen gefallen?

 

Das war wundervoll. Die Zuschauer sind für mich aufgestanden und haben applaudiert. Das war sehr bewegend. In Amerika würde ich niemals Standing Ovations bekommen. Ich habe fast geweint. Und ich bin wirklich keine Heulsuse!

 

Ist das Ihr erster Besuch in Deutschland?

 

Nein, ich war schon viermal hier. Immer beruflich. Einmal in Frankfurt, zweimal in München, einmal in Berlin. „Quincy" wurde so oft in Deutschland wiederholt, dass ich immer wieder Anfragen bekam. Einmal war ich in einer Sendung zu Gast... Ich habe den Namen vergessen. Das war so ein großer Blonder.

 

Thomas Gottschalk?

 

Ja. Richtig. Und ein paar andere Shows.

 

Ihr bürgerlicher Name ist Jacob Joachim Klugman. Kamen Ihre Vorfahren aus Deutschland?

 

Sie kamen aus Russland, aber meine Eltern haben sich in Deutschland kennengelernt. Mein Onkel brachte meine Mutter nach Deutschland, weil hier einige Verwandte lebten. Dort traf sie meinen Vater, aber ich weiß nicht, warum er aus Russland nach Deutschland gekommen war.

 

Haben Sie noch Verwandte in Deutschland?

 

Nein, ich glaube nicht. Oder besser: Ich weiß es nicht.

 

Sind Sie es manchmal leid, immer über „Quincy" reden zu müssen?

 

Nein. Denn ich bin sehr stolz auf diese Serie. Ich habe im Vorfeld viel dafür getan, dass das MEINE Serie wird. Ich ließ einen der Produzenten feuern und habe viel selbst gemacht. Ich wollte, dass es keine beliebige Fernsehshow ist, sondern dass sie soziale und politische Themen aufgreift. Das war die erste Show in den USA, die zum Beispiel das Thema Inzest aufgriff. NBC sagte zunächst: Das können wir nicht machen! Ich habe es dann trotzdem gemacht. Die Reaktion war: Das ist sehr geschmackvoll gelöst. Ich fragte: Wieso hätte ich es geschmacklos machen sollen? Wir haben den Inzest nicht voyeuristisch aus der Perspektive des Vaters thematisiert, sondern sind sehr stark auf die Gefühle der Tochter eingegangen. Jedes Wort, das ein Schauspieler in „Quincy" sagte, war vorher von mir abgesegnet. Alles sollte authentisch sein und auf wahren Fällen basieren. Wenn mir ein Autor sagte: „So könnte es sein", habe ich es nicht in der Show haben wollen. Ich wollte immer nur ein „So war es wirklich."

 

Im Gegensatz zu modernen Fernsehserien über Gerichtsmediziner sah Sie als Quincy nie an Leichen herumschnippeln.

 

Dadurch wurde es aber nicht schlechter, oder? Ich hatte vor einigen Jahren einen Gastauftritt in „Crossing Jordan". Am Set haben sie die Leiche blau angemalt! Und sie haben ganz genau gezeigt, wie die künstliche Haut aufgeschnitten wird und das Blut rausschießt! Warum? Das muss man nicht zeigen, wenn man ein gutes Drehbuch hat.

 

Verlangt das Publikum danach?

 

Als das Fernsehen aufkam, hatten wir sehr gute Serien. Und die Leute haben gern zugeschaut. Aber dann setzten sich immer mehr die Extravaganzen von Hollywood im Fernsehen durch. Ich glaube nicht, dass die Zuschauer die Detailaufnahmen der Leichen vermissen würden, wenn das Fernsehen sie ihnen nicht mehr bieten würde. Bei uns ging es damals nicht vorrangig um die Toten. Wir haben uns mehr um die Lebenden gekümmert. Wenn wir einen Mörder fingen, war klar, dass er keine Morde mehr begehen kann. Wenn wir eine Epidemie erkannten, konnte die Ursache bekämpft werden und es wurden viele Leben gerettet.

 

Schauen Sie gern CSI?

 

Nein. Ich mag die Serie nicht. Ich habe sie vielleicht zweimal gesehen. Das sind alles gute Schauspieler. Aber die Serie entspricht nicht meiner Vorstellung von Gerichtsmedizin im Fernsehen.

 

War „Quincy" ein Wegbereiter für „CSI"?

 

Natürlich. „Quincy" hat das Genre der Gerichtsmediziner im US-Fernsehen gegründet. „CSI" hat es nur blutiger und vielleicht auch sexier fortgeführt. „Quincy" war eine Art Ein-Mann-CSI, allerdings mit mehr Aussage.

 

Der Pathologe Dr. Thomas Noguchi, der auch Autopsien an den Leichen von Marilyn Monroe und Natalie Wood vornahm, soll das reale Vorbild für „Quincy" gewesen sein.

 

Das ist eine Legende und eine Lüge, die vor allem von Dr. Noguchi selbst lanciert wurde, nachdem „Quincy" ein weltweiter Erfolg war. Er kam mal bei einer Party auf mich zu und überreichte mir eine Armbanduhr. Mit den Worten: „Für Quincy von dem echten Quincy".  Aber dieser Mann war kein Quincy! Unsere Serie basierte auf einem Pathologen, der schon in den 1920er Jahren in New York arbeitete.

 

Verglichen mit den Gagen heutiger Fernsehstars dürften Sie damals sehr bescheiden verdient haben...

 

Ich bekam anfangs 35.000 Dollar pro Folge. Wir hatten ja überhaupt keine Ahnung, wie viel Geld die Studios und die Sender mit uns machten. Jahrzehnte später wusste eine Jennfier Aniston natürlich, wie viel Geld „Friends" einbrachte. Deshalb verlangte sie gegen Ende eine Million Dollar pro Folge – und bekam die auch. Das muss man sich mal vorstellen: Die machen mehr als 20 Millionen Dollar pro Jahr durch eine einzige Serie.

 

Ist das ungerecht?

 

Ja, das macht mich böse. Denn die Serienschauspieler von heute müssen nicht so hart arbeiten wie wir damals. Ich habe inzwischen den Sender NBC verklagt, weil ich rückwirkend an den Gewinnen beteiligt werden will, die meine Serien durch Wiederholungen und DVD-Auswertungen eingefahren haben. Aber ich befürchte, dass ich keine Aussicht auf Erfolg habe. Studios und Sender wissen immer besser, was sie tun, als die Schauspieler.

 

1984 wurde bei Ihnen Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Bangten Sie um das Ende Ihrer Karriere oder gar um das Ende Ihres Lebens?

 

Beides. Denn das war in meinem Fall eng miteinander verknüpft: Die Schauspielerei war mein Leben. Ich fühlte mich nach der Diagnose sehr allein. Eine Krebs Interessengemeinschaft bat mich damals, nach Atlanta zu reisen und eine Rede zu halten. Ich wollte das nicht, sagte am Ende aber doch zu. Dort sollte ich 250 Lebensbäume einweihen. Jeder davon symbolisierte einen Krebskranken, der seine Krankheit überlebt hatte. Nach der Rede kamen die Menschen von allen Seiten auf mich zu und sagten: Wir lieben Dich! Du siehst großartig aus! Auch Du wirst Deine Krankheit meistern! Ich wollte diese Art von Liebe nicht! Ich fühlte mich wie ein Wrack, wie ein Krüppel. Aber dann schritt ich diese Reihe von Bäumen ab und musste plötzlich lächeln. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben und im Umgang mit der Krankheit.

 

1989 wurden dann einige Stimmbänder und ein Teil ihres Kehlkopfs entfernt. Was geht in einem Schauspieler vor, der sein wichtigstes Arbeitsinstrument, die Stimme, einbüßt?

 

Es war schrecklich und ich wollte niemanden mehr sehen. Ich wusste: Es ist vorbei. Dann rief irgendwann mein wundervoller Freund Tony Randall an, mit dem ich seit 1970 die Serie „Männerwirtschaft" gedreht hatte. Er sagte: Wir können eine Million Dollar pro Woche verdienen, wenn wir die Fortsetzung „Sunshine Boys" machen. Ich sagte ab, denn meine Stimme war noch viel schlechter als sie heute ist. Doch Tony bestand darauf: Nur einmal! Als Theaterstück! Tony zu Liebe ließ ich zumindest einen Sprechlehrer zu mir kommen. Der war zuversichtlich, mich innerhalb von sechs Monaten bühnenreif zum Sprechen bringen zu können. Also rief ich Tony an und sagte: In sechs Monaten könnte es klappen.

 

Und sie hielten Wort.

 

Ja, aber als ich bei der Probe den ersten Satz sagen sollte, kam kein Ton heraus. Es war totenstill und für alle im Theater war es eine sehr seltsame Situation. Ich wusste: Ich werde die kommenden zwei Stunden nicht überstehen. Ich hasste meinen Freund Tony dafür, dass er mich überredet hatte und ich jetzt zum Scheitern verdammt war. Doch im zweiten Anlauf klappte es dann, zumal das Mikrofon meine Stimme auch künstlich verstärkte. Und die Vorführung war ein voller Erfolg. Meine Kinder sagten mir hinterher: Das war der beste Auftritt, den wir jemals von Dir gesehen haben. Da merkte ich, dass an dem alten Sprichwort etwas dran ist: Wenn Du einen Arm verlierst, wird der andere umso stärker. 

 

Welche Karrierepläne haben Sie für die Zukunft?

 

Nun ja, ich bin 86 Jahre alt. Das Fernsehen will mich nicht mit dieser Stimme haben. Aber ich genieße es, auf der Theaterbühne zu stehen.

 

(Jack Klugmans Frau, Peggy Crosby, betritt den Raum. Sie trägt bereits einen dicken Wintermantel und hat einen Stadtplan von Köln in der Hand. Sie will mit ihrem Mann zum Sightseeing aufbrechen.)

 

Herr Klugman, seit dem 2. Februar 2008 sind sie wieder verheiratet. In einer Hollywood-Gesellschaft von Blitzhochzeiten und Blitzscheidungen verbindet Sie und Peggy eine einzigartige Liebesgeschichte.

 

Jack Klugman: Ja, wir sind seit 20 Jahren zusammen, wir kennen uns seit 30 Jahren.

 

Peggy Crosby: Und es wird keine Scheidung geben! (lacht)

 

Jack Klugman: Richtig. Ich liebe sie so sehr.

 

Frau Crosby, Ihr Mann hat sich nie von seiner ersten Frau Bret Somers scheiden lassen, obwohl die beiden seit 1974 Jahren getrennt lebten. Erst nach Bret Somers Tod im September 2007 fühlte er sich frei für eine neue Hochzeit. War das hart für Sie?

 

Peggy Crosby: Am Anfang war es hart. Ich wollte, dass er mich heiratet. Obwohl ich ja wusste, dass wir in gewisser Weise eh verheiratet sind. Jetzt sind wir aber ganz offiziell verheiratet. Ich habe lang genug gewartet. Finden Sie nicht?

 

In den 70er Jahren taucht auch Ihr Name fünfmal in der Besetzungsliste von „Quincy" auf. Sie spielten die Kellnerin Dee Dee. Haben Sie sich am Set von „Quincy" kennengelernt?

 

Peggy Crosby: Ein gemeinsamer Bekannter hat uns einander vorgestellt. Ich war Schauspielerin und er sagte: Ich kenne Jack Klugman, soll ich Dich mit einer kleinen Rolle bei „Quincy" unterbringen? Aber Jack und ich wurden erst ein Paar, als „Quincy" schon lange eingestellt worden war.

 

Ein anderer Fernsehhit Ihres Mannes war die Serie „Männerwirtschaft", die im Original "The Odd Couple" hieß. Sehen Sie sich manchmal auch als „Seltsames Paar"?

 

Peggy Crosby: Unsere Freunde nennen uns so, seit wir zusammen sind. Sie wissen aber auch, dass mein Mann mich braucht. Er ist ein Messie. Ich muss bei ihm sein. Er kann nicht mal das Badezimmer aufräumen.

 

Stimmt das, Herr Klugman?

 

Jack Klugman: Ja. Ich bin ein Messie. Ich mag Glückspiele, Pferderennen und Frauen. Und ich bin ein Messie. Ich bin im wahren Leben genau so wie der Oscar Madison aus „Männerwirtschaft".

 

Peggy Crosby: Erzähl ihm mal die Geschichte von Deiner Garderobe in „Männerwirtschaft".

 

Jack Klugman: Man fand damals nicht die richtigen Klamotten für mich. Die Kostümbildner wollten mir was kaufen, aber ich sagte nur: Was ist denn mit meinen eigenen Klamotten? Die wurden akzeptiert und ich bekam 350 Dollar dafür. Der Witz ist: So teuer waren die gar nicht. Ich habe also Gewinn gemacht.

 

Sie sind der letzte Überlebende von den zwölf Schauspielern aus „Die zwölf Geschworenen". Macht Sie das stolz oder traurig?

 

Das macht mich sehr traurig. Ich kannte all diese Leute, sie waren großartige Schauspieler und viele von ihnen gute Freunde. Als 2006 auch noch Jack Warden starb, war ich drauf und dran zu rufen: Gott, jetzt kannst Du mich auch holen!

 

Würden Sie in der heutigen Filmindustrie noch mal ganz von vorn als junger Schauspieler anfangen wollen?

 

Oh, nein. Der Film ist tot. Heute gibt Dir die Industrie noch viel weniger Gelegenheit, Deine Talente zu nutzen, als früher. Da werden nur Schnipsel produziert, jede Aufnahme ist beendet, sobald Du einen Satz oder manchmal auch nur einen halben gesagt hast. Spielfreude und Experimente gibt es nur auf der Bühne.

 

Was war der Höhepunkt Ihres eigenen Schaffens vor der Kamera?

 

„Der versteinerte Wald". Nicht nur weil wir das ganze Werk wie ein Theaterstück live für die Fernsehausstrahlung gespielt haben, sondern vor allem, weil ich durch diesen Film Humphrey Bogart erleben durfte. Er war ein sehr kleiner Mann, aber ich konnte meine Augen nicht von ihm abwenden. Er war der sexieste Mann, den ich je gesehen habe. Wenn er zum Mittagessen ging, liefen links und rechts von ihm Lauren Bacall und Henry Fonda. Beide waren viel größer als er, aber ich konnte meine Augen nicht von ihm abwenden.

 

Letzte Frage: Was ist eigentlich aus dem Hausboot geworden, in dem „Quincy" die ganze Serie über wohnte? Steht das jetzt in Ihrem Garten?

 

Oh, nein! Das war ein einziges Wrack! Schon bei den Dreharbeiten war alles kaputt und wurde nur notdürftig zusammengehalten Ich hoffe, dass es nach dem Ende von „Quincy" sofort entsorgt wurde.

 

Interview: Michael Scholten

 

Bitte beachten Sie die Rechte!

 

 

 

 

 

Anlässlich des Besuches in der Show "25 Jahre RTL" vom 10. Januar 2009 hat Jack Klugman dem Kölner Stadtanzeiger ein Interview gegeben.

 

 

 

 

 

Bild mit freundlicher Genehmigung von RTL Television GmbH


Theater gegen das Alleinsein

Interview mit dem Schauspieler Jack Klugman alias „Quincy“, den RTL zum 25. Geburtstag nach Köln einlud. Er bekommt immer noch die meiste Fanpost aus Deutschland. Die Bühne und die Theaterwelt hätten ihm das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein.

KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Klugman, draußen ist es frostig. Was machen Sie und Ihre Frau an Ihrem einzigen Tag in Köln?

JACK KLUGMAN: Wir machen die Bustour, hopp-on-hopp-off, schauen uns die Highlights an.

Hat RTL keine spezielle Tour für Sie arrangiert?

KLUGMAN: Nein, wir möchten das auch nicht. Wir wollen ganz normal unterwegs sein und tun, was wir wollen.

Sie sind 86 Jahre alt, haben den Krebs besiegt. Warum kommen Sie für einen Fünf-Minuten-Auftritt nach Deutschland in eine Show, in der anschließend 64 Büstenhalter in Rekordzeit geöffnet werden? Warum tun Sie sich das noch an?

KLUGMAN: Deutschland war immer sehr gut zu mir. Ich bin hier viele Jahre auf dem Bildschirm gewesen. Ich bekomme die meiste Fanpost immer noch aus Deutschland. Es ist eine Gelegenheit, einmal Danke zu sagen.

Kannten Sie RTL, bevor der Sender Sie zur Geburtstagsfeier einlud?

KLUGMAN: Nein.

Welche andere Beziehung haben Sie zu Deutschland?

KLUGMAN: Mein Eltern lernten sich hier kennen, bevor Sie in die Staaten auswanderten. Meine Mutter hatte Verwandte hier. Beide kamen ursprunglich aus Russland.

Sie wissen, was Ihr Name bedeutet?

KLUGMANN: Natürlich. Kluger Mann.

Außer den Jahren, in denen Sie mit dem Krebs kämpften, gab es kaum ein Jahr, in dem Sie kein Bühnen-, Fernseh- oder Film-Engagement hatten. Waren Sie auch ein kluger Geschäftsmann?

KLUGMAN: Nein, das war ich nicht. Ich wollte immer nur so viel Geld verdienen, dass es mir keiner wegnehmen kann. Ich habe es in steuerfreie Bonds investiert. Aber als ich durch den Kehlkopfkrebs meine Stimme verloren hatte, war es Tony Randal, der zu mir kam, und sagte: Wenn du bereit bist, finden wir ein Engagement für dich. Er hat mich wieder auf die Bühne gebracht.

Sie haben NBC gerichtlich gezwungen, Ihnen Einblick in Ihren „Quincy“-Vertrag zu geben. Sie wollen Geld. Wie geht es weiter?

KLUGMAN: Ich weiß noch nicht genau. Ich habe nächste Woche einen Termin mit meinem Anwalt.

„Quincy“ und „Männerwirtschaft“ gibt es bald auf DVD und im Internet. Dann wird wieder viel Geld damit verdient. Bekommen Sie Ihren fairen Anteil?

KLUGMAN: Ich hatte ja nie eine Vorstellung davon, wieviel da im Topf ist. Ich hatte keine Idee, wie viel Geld mit meinen Serien tatsächlich gemacht wurde. Mit Quincy haben sie rund 250 Millionen Dollar gemacht. Ich halte 23 Prozent der Anteile an der Produktion, habe aber nie einen Cent gesehen.

Im letzten Jahr streikten Hollywood-Autoren. Haben Sie den Streik unterstützt?

KLUGMAN: Natürlich. Aber er hat doch nicht das gebracht, was uns zusteht. Unsere Gewerkschaft war nicht wirklich auf unserer, denn auf der anderen Seite.

Wie haben Sie es geschafft - außer, dass Sie ein populärer und herausragender Schauspieler sind - über fünf Jahrzehnte im Geschäft zu bleiben?

KLUGMAN: Anfangs hatte ich keinen Agenten. In den 50ern gehörte ich zu den TV-Pionieren. Ich bekam 60 Dollar für einen Auftritt mit fünf Sätzen. Dann kam die Gewerkschaft und es gab 125 Dollar für mehr als zehn Sätze. Ich habe nicht über die Gage oder über Ruhm nachgedacht. Ich wollte immer nur arbeiten und es so gut als irgendmöglich machen.

Sie kommen aus armen Verhältnissen. Armut kann eine Lehre fürs Leben sein, haben Sie mal gesagt. Was hat es Sie gelehrt?

KLUGMAN: Loyalität. Ich bin in einem Viertel aufgewachsen, in dem die Leute - die meisten waren Italiener - zusammengehalten haben. Es gab Kameradschaft. Das Schlimmste, was du sein kannst, ist ein Denunziant. Man hat mich auch während der McCarthy-Zeit verhört. Ich kannte einige Leute, die Kommunisten waren. Aber ich habe niemanden verraten. Der Zusammenhalt hat mir sehr viel Selbstbewusstsein gegeben.

In den frühen Tagen haben Sie sich in New York mit Charles Bronson eine Bude geteilt. Wie war das?

KLUGMAN: Das waren gute Tage. Charly hat meine Bücher als Gewichte benutzt. Ich sagte, Charly, Bücher sind nicht zum Bodybuilding, man liest sie. Und ich habe ihn zum Lesen gebracht. Er war immer sehr stolz darauf, ein Selfmademan zu sein. Und er hat gesagt, Jack, lass uns zusammen trainieren. Ich sagte, Charly, ich brauche keine Muskeln. Aber er wurde zu meinem Trainer und er sorgte für mein erstes Engagement in „Mister Roberts“, wo ich sechs Wochen lang mit Henry Fonda auf der Bühne stand. Besser konnte man nicht einsteigen. Ich war also sehr glücklich. Bronson war sehr akkurat. Ich habe seine weißen Hemden gewaschen und er hat sie gebügelt. Er hat sehr akkurat gebügelt. Und platzten seine Muskeln beim Bügeln. Als er zu meinem 57. Geburtstag kam und eine wundervolle Flasche Dom Pérignon mitbrachte, sagte ich zu ihm: Wir sind einen langen Weg gegangen. Und er sagte: Ich will nicht über die Vergangenheit reden, vielleicht später einmal. Ein paar Jahre später wurde er krank und starb einen schweren Tod. Tja ... ich weiß auch nicht. Wie sagte Bette Davies: Alt werden ist nichts für Waschlappen. Naja, ich muss diesen Stock hier benutzen, aber nach der Operation wird das Problem hoffentlich weg sein.

Henry Fonda hat Ihnen eingeschärft, immer aufrichtig, wahrhaftig zu sein. Bei RTL haben Sie gesagt, „Ich war als Quincy immer aufrichtig.“ Was heißt das?

KLUGMAN: Ich habe in der Serie immer dafür gesorgt, dass das wir Zeit hatten, das zu spielen, was zu spielen war, akkurat und wahrhaftig. Das Leben endet nicht, als würde jemand einen Schalter umlegen. Manchmal braucht es eben 30 Minuten, bis jemand stirbt. Dann muss man dem Tod eben auch diese Zeit geben. Ich habe sogar einen Producer rausgeschmissen, der immer nur auf die Quoten geguckt hat.

Eigentlich mögen Sie Fernsehen nicht, jedenfalls das oberflächliche. Sie mögen auch Film nicht. Sie lieben die Bühne. Warum haben Sie nicht immer das gemacht, was Sie am meisten liebten?

KLUGMAN: Das habe ich. Ich habe selbst zwischen den Drehs für „Quincy“ oder „Männerwirtschaft“ immer wieder und wochenlang auf der Bühne gestanden.

Welche Jahre waren die wichtigsten für Sie?

KLUGMAN: Die ersten zehn Jahre, sicher die Zeit mit Henry Fonda. Wir standen gemeinsam auf der Broadway-Bühne, und Fonda war so brillant, dass mir die Tränen liefen vor Glück. Er musste mich da aus der Situation retten und machte es grandios. Und er kam anschließend zu mir und sagte das: Bleibe immer wahrhaftig. Ja, dass habe ich mir damals geschworen. Und ich wusste: Ich will so sein wie er. Und er hat mich zu den „Zwölf Geschworenen“ gebracht - und niemals darüber ein Wort verloren. Und er hat mich vor Hollywood gewarnt. Bleibe nicht hier, geh zurück auf den Broadway.

Heute wollen heute nur noch das tun, was Sie als Vermächtnis hinterlassen möchten. Ihre Filmografie ist 20 Seiten stark. Sie hinterlassen längst ein Vermächtnis.

KLUGMAN: Ich will etwas machen, dass nur ich machen kann. Ich will „Tod eines Handlungsreisen“ inszenieren, so wie nur ich es inszenieren kann. Ich will es für mich machen, als das Beste, was ich je gemacht habe.

Nach so vielen Produktionen denken Sie immer noch daran, etwas Besseres abzuliefern. Haben Sie Ihr Bestes noch nicht gegeben?

KLUGMAN. Nein.

Was ist mit all Ihren Serien, Filmen, wie betrachten Sie heute Ihre Arbeit?

KLUGMAN: Ich habe das Beste gegeben, was ich damals geben konnte. In „Quincy“ habe ich jede Textzeile redigiert bis es akkurat war. Aber als das vorbei war, wollte ich das Nächste machen, und zwar noch besser. In sechs Monaten will ich sechs Monate besser sein, verstehen Sie . . . Ich liebe das Leben.

Sind Sie sind ungeduldig mit sich selbst.

KLUGMAN: Ja. Das sagt meine Frau auch.

Ist das Ihr Antrieb, Ungeduld mit sich selbst?

KLUGMAN: Ja, so ist es.

Haben Sie sich auf der Bühne besser gefühlt als im wirklichen Leben?

KLUGMAN: Ja, die Bühne und die Theaterwelt haben mir immer das Gefühl gegeben, irgendwo dazuzugehören, nicht allein zu sein.

Jetzt sind Sie der letzte lebende Schauspieler aus den „Zwölf Geschworenen“. Es gibt nicht mehr viele aus Ihrer Schauspieler-Generation. Wie kommen Sie damit zurecht?

KLUGMAN: Es ist schrecklich. Ich sehe mir ab und an Filme mit Brando, Fonda, Clark Gable an und denke, mein Gott, was für wunderbare Schauspieler. Sie kamen alle von der Bühne. Das ist vorbei. Das gibt es kaum mehr.

Als junger Mann haben Sie zu sich selbst gesagt: Wow, ich stehe zusammen mit Henry Fonda auf der Bühne. Gibt es einen jungen Schauspieler, junge Schauspielerin, bei der Sie heute rufen würden, „Wow, ich stehe zusammen mit ihm auf der Bühne, vor der Kamera?“

KLUGMAN: Nein. Sie machen zu viel Filme heute. Filme lehrt sie war, Ihren Text zu memorieren, aber er lehrt Sie nichts über Schauspielerei. Im Theater proben und proben und proben Sie, man experimentiert, probiert, man . . All das geht heute vor der Kamera nicht mehr. Zeit ist Geld. Und wenn's ums Geld geht, verflüchtigt sich die Kunst. Als ich in den 50er Jahren mit Fernsehen begann hatten wir noch Zeit zum Proben. Heute ist das vorbei.

Sind Sie gläubig?

KLUGMAN: Nein, ich bin nicht religiös. Wenn es vorbei ist, ist es vorbei.

Sie haben mal gesagt, Angst kann sehr förderlich sein. Waren Sie je von Angst beherrscht?

KLUGMAN: Als ich jung war, hatte Angst vor meinen Schulden, dann mitunter auch Angst vor dem Tod. Heute fürchte ich nichts mehr, auch nicht den Tod. 

(Quelle: Kölner StadtAnzeiger)